logo-jonsch

Coronavirus - Homeoffice und massive Netzauslastung



Beitragsbaum




Auswirkungen von COVID-19

Der Coronavirus ändert und schränkt nicht nur unser alltägliches Freizeitprogramm ein, sondern wirft auch unsere Arbeitswelt über den Haufen. Die Unternehmen müssen sich von einmal Gedanken darüber machen, wie sie auf einer Seite die Pandemie vor weiterer Ausbreitung, auch im eigenen Firmenumfeld, dezimieren können. Auf der anderen Seite allerdings auch produktiv bleiben können, damit es nicht durch einen inbetrieblichen Shutdown zu wirtschaftlicher Schräglage führt. Viele Firmen in Deutschland hatten bis dato kein richtiges Konzept für einen einheitlichen Homeoffice Betrieb ausgearbeitet und stehen nun vor dem großen Problem der Umsetzung dieser. Problematisch wird es dann, wenn es zu einer nationalen Ausgangssperre kommt und die Arbeit von zu Hause dann die letzte Möglichkeit ist, überhaupt noch arbeitsfähig zu sein.


Ich habe in der Woche schon viele katastrophale Umstände durch Freunde oder Bekannten bei anderen Unternehmen mitbekommen. Man hört von Firmen die auf Grund von Mangel an VPN Lizenzen ihre Mitarbeiter nicht in das Homeoffice verbannen können, bis zu Unternehmen die bis heute noch nicht mal eine VPN Lösung in Betracht gezogen haben. Viele Problematiken sind Teil eines nicht ernstgenommenen Risikos oder einfach nur grobfahrlässiger Behandlung von solchen Sezanrien.


Vielleicht hilft uns diese Epidemie, bei all dem schlechten was sie mit sich bringt, die konservative deutsche Arbeitswelt zum Umdenken anzuregen. Homeoffice allgemein in Zukunft zu konzeptionieren, auszubauen und langfristig umzusetzen. Wieso auch nicht, es gewinnt ja nicht nur der Arbeitnehmer, sondern auch der Arbeitgeber an Nebenkosten pro Mitarbeiter in Form von Strom und Bereitstellung und Kosten von Arbeitsplatz und deren Kapazitäten. Der ganz große Gewinner ist auch unsere Umwelt und Natur, es ist einfach ökologischer von daheim zu arbeiten, als erst noch mit dem Auto 60km einfach zur Arbeit zu fahren.




Traffic am DE-CIX

Während die Firmen noch rätseln und händeringend um Lösungen zur Überwältigung der momentanen Notlage suchen, stellen unsere Netzbetreiber eindeutig klar, dass die Netze ausreichend gerüstet sind für diese Netzauslastung. Doch ist das wahr? Was tut sich momentan bei unseren Netzbetreibern? Ist der Teil der Homeoffice tätigen Arbeitnehmern überhaupt anhand deutlich erhöhtem Traffic-Aufkommen sichtbar?


Schauen wir uns doch mal das Traffic-Aufkommen am europäischen Internetknoten DEC-IX in Frankfurt an. Ab Mitte März steigt der Graph schlagartig an und man kann vermuten, dass es sich hier um das erhöhte Traffic-Aufkommen innerhalb der Corona Kriese handeln kann. Darunter fallen nicht nur die vermehrte Arbeit von daheim, sondern auch die freizeitlichen Zeitvertreiber, die nun mehr genutzt werden denn je. Peeks von bis zu 9T sind das Ergebnis, ein paar Wochen davor waren es gerade mal Peeks bis zu 7,5T. Man merkt, da tut sich was.

DE-CIX Traffic of 1 Month DE-CIX Traffic of 1 Year





Probleme bei Dienstleistern

Doch nicht nur die ISP's bekommen dies zu spüren, sondern auch Dienstleister wie Microsoft oder Netflix haben Schwierigikeiten mit der Bereitstellung ihrer Produkte. Viele Schulen und Lerngemeinschaften nutzen zur Kommunikation Microsoft Teams, welches von Microsoft für die Corona Kriese konstenlos zur Verfügung gestellt wurde. Dazu führt es zu immer wiederkehrenden Lastproblemen bei der Anmeldung oder Zustellung von Nachrichten. (Microsoft Teams wächst durch Corona innerhalb einer Woche auf 44 Millionen User)


Auch der Streamingdienst Netflix handelt mit einer Drosselung von 25% für erstmal dreißig Tage. Das Problem liegt hier allerdings erstmal nicht bei der eigenen Infrastruktur von Netflix, sondern eher an den lauten Stimmen der ISP's unserer benachbarten Ländern, welche das Trafficvolumen nicht bändigen können. (Wegen Corona-Krise: Netflix drosselt Streaming-Qualität in Europa) Aber mal im ernst, brauchen wir wirklich 4k Streaming in einer solchen Kriese wie wir sie momentan erleben? Nein, wenn dafür wichtigere lebensnotwendigere Dinge auf dem Spiel stehen, muss die Bevölkerung halt mal einstecken können. Das Geschrei um Erstattung der Abokosten Aufgrund der Drosselung ist einfach lächerlich. Hier muss man abwiegen können, was wichtiger ist Streaming von 4k oder unter anderem wichtige medizinische Daten/Austausch international.




Das Telekomnetz

Ich lese vermehrt Tweets in denen Telekom Kunden von bis zu 50% Packet Loss bei IPv6 berichten. Anschlüsse, welche seit Wochen, Monaten oder sogar Jahren eine Verfügbarkeitsrate von 99% aufweisen, sehen nun etwas alt aus. Die Probes brechen komplett ein, nur was ist da los? Sobald man dem ganzen Thema mal auf die Spur geht, wird einem schnell klar, dass doch weit aus mehr Haushalte davon betroffen sind. Dafür greifen wir auf die Analysefunktion der RIPE zurück. Hier ein kleiner Auszug und hier der Link RIPE Measurements - Probes AS3320

Probes AS3320 Telekom


Dafür muss man das Telekomnetz ein bisschen genauer unter die Lupe nehmen. Die Telekom ist für das Routing der deutschen Netze quasi ein Monopol in Deutschland und dafür ein unausweichlich wichtiger Peering für den Rest der Welt. Es sei denn die restlichen Peerings möchten nicht in die deutschen Netze kommunizieren. Die Telekom kennt ihren Stand und weiß, dass sie selbst das Eingangstor für die deutschen Netze sind und sieht sich dadurch selbst als T1 Provider an. Realistisch gesehen ist dies natürlich absoluter Humbug und nicht zutreffend. Damit man dann aber mit der Telekom peeren kann, verlangt diese natürlich dementsprechend gutes Geld, dass viele Provider, die ein vielfaches größer sind, nicht zahlen wollen. Peerings unter den gleichen Level von Tiers ist meistens kostenlos oder zumindest kostengünstiger als die Telekom hier als kleinerer Tier verlangt. Das resultierende Problem ist dann ein mangelhaft ausgebautes Routing zur restlichen Welt und das führt dann gegebenenfalls zu Engpässen. Daher wundern mich schlechte RTT's hier gar nicht.


PS: Lustiger Reddit Artikel zum Peering mit Telekom: Grausames Peering bei der Telekom UPDATE




Der Selbsttest

Ich selbst bin daheim zwnagsweise über Unitymedia (Vodafone) angebunden. Auch wenn ich mir eine Bandbreite mit allen Haushalten der selben Straße teilen muss, habe ich noch nie Performance Probleme gehabt. Da Unitymedia fast nur noch DSLite für ihre Kunden einsetzt, bin ich primär über IPv6 an Unitymedia angebunden. Testweise habe ich einfach mal für ein paar Stunden Pings zu unserem Firmen AS auf IPv4 und IPv6 laufen lassen. Die RTT ist für ungefähr 90-100km zwischen von Firma -> nach Frankfurt und zurück -> zur Firma höher als normal. Normalerweise belaufen sich diese konstant auf 9-10ms und nicht dauerhaft zwischen 8ms und 111ms. Natürlich ist das jetzt keine ausschlaggebende Messung oder konkrete Aussage für eine Auslastung, es ist lediglich eine Beobachtung. Auf alle Fälle kam es zu keinem gigantischen Packet Loss, also alles im grünen Bereich.

RTT zum Firmen AS


Das war es erstmal von meiner Seite aus, ich bin gespannt wie sich das alles noch in den nächsten Wochen entwickeln wird. Ich werde diese Seite einfach über längeren Zeitraum aktuell halten und mit Updates versorgen.




over & out,
jonsch